Geschäftsbericht 2015

Mit integriertem Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeit

Gesellschaftliche Verantwortung im Fokus

Im abgelaufenen Jahr standen viele Themen auf der Agenda: das ständig steigende Mobilitätsbedürfnis, der dringende Umwelt- und Klimaschutz, notwendige Investitionen und Innovationen, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und -wachstums, eine nachhaltige Unternehmensführung – und nicht zuletzt die akute Flüchtlingswelle.

Die Erwartungen an einen Infrastrukturbetreiber sind naturgemäß widersprüchlich. Die besondere Verantwortung liegt daher im Abwägen unterschiedlicher Interessen und Ansprüche. Im Jahr 2015 setzten wir wichtige Schritte, um unsere Entscheidungen noch besser auf ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Wirkungen auszurichten. Das bestehende Nachhaltigkeitsprogramm wurde am Grundsatz der Wesentlichkeit neu ausgerichtet und verstärkt in den zentralen Unternehmensstrategien und -zielen verankert.

Als führendes Infrastrukturunternehmen fühlen wir uns besonders verpflichtet, im Interesse und zum Nutzen der Gesellschaft zu agieren. Seit 2012 unterstützen wir deshalb den UN Global Compact und bekennen uns zu dessen zehn Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruption. 2016 werden wir dieses Engagement verstärken: Gemeinsam mit anderen Organisationen verfolgen wir die nachhaltigen Entwicklungsziele, die im September 2015 von allen 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen festgelegt wurden.

Dazu laden wir auch all unsere Stakeholder ein: Nutzen Sie eine der vielen Möglichkeiten des Dialogs und der Mitwirkung, um mit uns zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen!

DI Alois Schedl und Dr. Klaus Schierhackl

Dr. Klaus Schierhackl,
DI Alois Schedl (im Vorstand für den Bereich Nachhaltigkeit zuständig)

Umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm

2015 gab die ASFINAG ihren vielfältigen Nachhaltigkeitsaktivitäten einen neuen Rahmen. Im Zentrum stand die Frage: Wie können sich auf unseren Straßen mehr Menschen und Güter rascher, sicherer und mit geringerem Ressourcenverbrauch bewegen – und was kann die ASFINAG dazu beitragen?

Zahlreiche Studien, Umfragen und Stakeholder-Erwartungen wurden ausgewertet und die vielen, oft widersprüchlichen Anforderungen nach dem Grundsatz der Wesentlichkeit gewichtet. Entscheidend waren dafür die möglichen Auswirkungen auf die Bereiche Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt sowie die Bedeutung des jeweiligen Themas für die Stakeholder. Das Ergebnis ist eine Themenlandkarte, die die wichtigsten Anliegen und ihre Zusammenhänge darstellt und aus der sich das Nachhaltigkeitsprogramm ableitet.

ASFINAG Themenlandkarte

Die ASFINAG trägt mit drei Arbeitsschwerpunkten zur nachhaltigen Entwicklung Österreichs bei:

  1. Wir schaffen und sichern Arbeitsplätze, indem wir die österreichischen Wirtschaftsräume durch ein sicheres, verfügbares und kundenorientiertes Straßennetz verbinden.
  2. Wir entwickeln ressourcenschonende und zukunftsorientierte Verkehrssysteme.
  3. Wir binden unsere Stakeholder in die Gestaltung nachhaltiger Mobilität ein: durch Entscheidungen auf Basis wertschätzender Dialoge.

Die Ziele der nächsten Jahre spiegeln die vielfältigen Aufgaben der ASFINAG wider: Verkehrsinformationssysteme und die Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Verkehr werden ausgebaut, neue Vergaberichtlinien und umweltschonendes Ressourcenmanagement sollen Bauprojekte noch nachhaltiger machen, Lebensräume entlang der Autobahn werden vernetzt; im Bereich Energie stehen Effizienzverbesserungen, Möglichkeiten der eigenen Erzeugung erneuerbarer Energie und der Einsatz alternativer Antriebsformen ganz oben auf der Agenda. Darüber hinaus wird eine Teststrecke für automatisierte Mobilität vorbereitet. Für eine gute interne und externe Zusammenarbeit werden das Diversity-Management und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Stakeholdern weiterentwickelt.

Einen Überblick über die aktuellen Nachhaltigkeitsziele finden Sie auf unserer Website.

Wichtige Beiträge zur globalen Entwicklung

Im September 2015 wurden von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die sogenannten nachhaltigen Entwicklungsziele („Sustainable Development Goals“, SDG) beschlossen. Alle gesellschaftlichen Kräfte – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – werden versuchen, bis 2030 wichtige Ziele zu erreichen, vom Kampf gegen Armut über die Ankurbelung der Wirtschaft bis zur Abschwächung des Klimawandels. Auch die ASFINAG wird daran mitarbeiten.

Entwicklungsziele

Mit dem aktuellen Nachhaltigkeitsprogramm unterstützt die ASFINAG zwölf der insgesamt 17 Ziele:

Durch den Beitrag zum Wirtschaftsstandort, den Bau und Erhalt sicherer, leistungsfähiger Straßen, die auch erhöhten Temperaturen bzw. heftigeren Unwettern trotzen, und die Rolle als verlässlicher Arbeitgeber wirkt die ASFINAG an vier Zielen mit (Ziel 8, 9, 10 und 11). Weitere Umweltschutzmaßnahmen zu Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und alternativen Antriebsformen tragen zu Ziel 7 bei.

Mit den Maßnahmen zur Ressourcenschonung, einem Schwerpunkt des Nachhaltigkeitsprogramms, beteiligt sich die ASFINAG an der Erreichung von Ziel 12. Sie arbeitet auch eng mit ihren Stakeholdern zusammen, um die Fähigkeiten und das Wissen für das Vorgehen gegen den Klimawandel zu steigern (Ziel 13). Die Biodiversitätsschwerpunkte der ASFINAG helfen schließlich, die Landökosysteme zu schützen (Ziel 15).

Mit ihren Aktivitäten für mehr Verkehrssicherheit steuert die ASFINAG zum Ziel 3 bei: „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.“

Innerhalb des Unternehmens fördert das Diversity-Management die Geschlechtergerechtigkeit und die Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen (Ziel 5 und 10), und natürlich tritt die ASFINAG entschieden gegen Korruption auf (Ziel 16).

Weitere Details zu den nachhaltigen Entwicklungszielen finden Sie auf der Website der Vereinten Nationen.

„Als Vorstand bin ich zutiefst davon überzeugt, dass die ASFINAG eine sehr große Verantwortung trägt – für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kundinnen und Kunden, den Wirtschaftsstandort, die Umwelt und die Gesellschaft, in der wir alle leben. Es freut mich, dass mittlerweile in unserem Unternehmen Nachhaltigkeit täglich und auf allen Ebenen gelebt wird.“

DI Alois Schedl

Vorstand der ASFINAG

DI Alois Schedl

Engere Zusammenarbeit

Für alle wesentlichen Ziele gilt: Sie können nur gemeinsam erreicht werden! Das verlangt eine immer engere Zusammenarbeit interner und externer Stakeholder. 2015 hat die ASFINAG daher ihr Stakeholder-Management ausgebaut und unter anderem mit den ÖBB eine eigene Arbeitsgruppe zur Entwicklung und Abstimmung von Vernetzungsprojekten eingerichtet. Das soll zu noch besseren Mobilitätsangeboten führen.

Das Feedback zur bisherigen Arbeit ist ermutigend: Die Kundinnen und Kunden gaben der ASFINAG die Note „sehr gut“. Der Customer-Satisfaction-Index (CSI) und der Performance-Index (PI) sind wichtige Indikatoren für die Zufriedenheit mit den Leistungen der ASFINAG. Mit 77,9 Punkten (+0,8) beim CSI und 76,8 beim PI (+1,9) fielen diese Werte bei der jüngsten Befragung besonders gut aus. Nur wenige Punkte mehr und die ASFINAG hätte statt der Note „sehr gut“ ein „Ausgezeichnet“ erhalten. Für die Erhebung befragte das Marktforschungsunternehmen IFES im Frühjahr 2015 insgesamt 1.500 Personen aus verschiedenen Kundengruppen.

Die Kontakte und die Zusammenarbeit mit den Stakeholdern werden laufend intensiviert: 2015 trafen beim ASFINAG Service Center über 520.000 Anfragen, Anliegen bzw. Hinweise ein, die alle bearbeitet, beantwortet und dem Management in konsolidierter Form vorgelegt wurden. Damit haben die Kundinnen und Kunden und die weiteren Stakeholder rund um die Uhr einen Draht zur Unternehmensleitung und können sich aktiv einbringen. Die Inputs aus dem Service Center und der Kundenbefragung fließen in die Serviceentwicklung und -verbesserung ein. 2015 wurden unter anderem folgende Vorhaben umgesetzt: zehn neue „Premiumvertriebsstellen“, eine bessere Mautstellenbeschilderung, Reisezeitinformationen in Echtzeit bei zwei Grenzübergängen, zusätzliche Stellplätze in Park-and-drive-Anlagen. Weitere Vorhaben sind für die nächsten Jahre geplant, etwa die Einführung der digitalen Vignette.

Neben den umfangreichen Instrumenten für laufendes Feedback und ständige Inputs werden mit ausgewählten Stakeholdern regelmäßige Dialoge durchgeführt. Die Ergebnisse werden in die ASFINAG Ziele und Strategien eingearbeitet. Daher ist das Stakeholder-Management in der Abteilung „Strategie, Internationales und Innovation“ angesiedelt und auch personell im Nachhaltigkeitsteam vertreten.

Weitere Details zu unserem Stakeholder-Management lesen Sie hier.

„Als Kundin mit eingeschränkter Mobilität schätze ich sehr, dass die ASFINAG nicht die Ansprüche von Kundinnen und Kunden mit besonderen Bedürfnissen vergisst. Gerade für diesen relativ kleinen Kundenkreis ist das Reisen eine besondere Herausforderung.“

Melissa Hinteregger

Autofahrerin

Melissa Hinteregger

Innovationen bringen Verbesserungen für die Kundinnen und Kunden und die Umwelt

2015 wurden neue Forschungsprojekte initiiert, Partnerschaften eingegangen und innovative Ideen unterstützt und umgesetzt.

Ein innovatives Highlight war das Projekt „Arrivé“: Die Reisezeit zwischen Wien und dem Flughafen Wien wird laufend gemessen und in Echtzeit auf unterschiedlichen Kanälen (z. B. Überkopfwegweisern, ASFINAG App, asfinag.at) veröffentlicht. Das verbessert deutlich die Qualität der Fahrtzeitplanung. Ende des Jahres wurde ein ähnlicher Service zur Anzeige der Grenzwartezeiten in Richtung Deutschland realisiert.

Eine besondere Innovation im Baubereich war der Einsatz eines Abbruchschiffes für die Demontage der alten Erdberger Brücke auf der A 23 Südosttangente Wien am Knoten Prater. Dadurch konnte die Bauzeit wesentlich verkürzt und zahlreiche Lkw-Fahrten konnten eingespart werden. Im Winterdienst wiederum wurden neue Streutechnologien geprüft. Künftig kommt vermehrt die sogenannte Feuchtsalzstreuung zum Einsatz. Befeuchtetes Salz haftet deutlich besser auf der Fahrbahn und reduziert die Verluste im Vergleich zur Trockensalzstreuung.

Brückenabbruch

Bewährte Innovationen wie z. B. der Thermoscanner oder das akustische Tunnelmonitoring wurden 2015 vermehrt eingesetzt und neue Innovationen wurden vorangetrieben. Beispiele hierfür sind drei Weigh-in-Motion-Einrichtungen für das Erkennen überladener Lkw, die Entwicklung eines eichfähigen Systems zur Breitenmessung von Sondertransporten und ein Forschungsprojekt darüber, wie Fahrzeuge als mobile Sensoren eingesetzt werden können. Das Bekenntnis der ASFINAG zur Unterstützung einer Teststrecke für automatisiertes Fahren und der Beschluss zur Einführung einer digitalen Vignette ab 2018 rundet die Innovationsaktivitäten des Jahres 2015 ab und gibt gleichzeitig einen Ausblick auf die Schwerpunkte der kommenden Jahre.

Fokus auf Senkung des Ge­samt­ener­gie­ver­brauchs

2015 erstellte eine Arbeitsgruppe das gemäß Energieeffizienzgesetz (EEffG) vorgeschriebene erste Energieaudit der ASFINAG. Die größten Energieverbraucher sind die Sicherheitseinrichtungen der Tunnel und der Winterdienst mit seinem Fuhrpark und den Autobahnmeistereien. Basierend auf dem Audit wurde ein Energiekonzept mit zahlreichen Maßnahmen und Ideen entwickelt, die zum effizienteren Einsatz von Energie führen sollen. Sie reichen vom Umstieg auf LED-Beleuchtung in Tunneln und im Freiland über Studien zu Bergwasser-Kleinkraftwerken in der Nähe von Tunneln bis zur möglichen Nutzung von Fotovoltaik und Windenergie. Darüber hinaus ist geplant, eigene Fahrzeuge mit alternativem Antrieb zu beschaffen und weitere Elektrotankstellen an den Raststationen zu errichten.

Im Jahr 2016 sollen die ersten Vorschläge umgesetzt werden. Die zunehmenden Anforderungen zahlreicher Normen und Verkehrssicherheitsvorgaben (z. B. bessere Beleuchtung und Lüftung in den Tunneln) erschweren Energieeinsparungen. Trotzdem gelang es in den vergangenen Jahren, den Gesamtenergiebedarf konstant zu halten. Im Jahr 2014 betrug der gesamte Endenergieverbrauch 188 GWh. Gleichzeitig verbessert die ASFINAG ihre CO2-Bilanz, denn seit Anfang 2016 stammt der gesamte Stromverbrauch nur mehr aus erneuerbaren Energiequellen!

Solarkollektoren an der Autobahn

Asylwerberinnen und Asylwerber: eine neue Herausforderung für die ASFINAG

Ganz Europa und damit auch Österreich standen 2015 im Bann einer menschlichen Tragödie. Nicht nur logistisch oder finanziell, auch gesellschaftspolitisch sind die Tausenden Opfer des Krieges im Nahen Osten, die sich in Europa einen Platz zum Überleben erhoffen, eine enorme Herausforderung. Für die ASFINAG bedeutete das ein notwendiges Engagement in drei Bereichen.

Zuallererst ging es um die Sicherheit: ASFINAG Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgten entlang der bekannten Flüchtlings- und Schlepperrouten dafür, dass die Gefahren minimiert werden konnten. An neuralgischen Streckenabschnitten warnten Warnleitanhänger vor Personen auf der Fahrbahn, es wurden verstärkt Verkehrsbeeinflussungsanlagen, Traffic Manager und Streckendienste eingesetzt. Zusätzlich stellte die ASFINAG für die Erstaufnahme und die Unterbringung von Flüchtlingen Flächen und Räumlichkeiten zur Verfügung. Aufgrund der geänderten Situation mussten schließlich auch die Informationssysteme über Grenzwartezeiten ausgebaut werden.

Nachhaltigkeitsberichterstattung für das Jahr 2015

Der vorliegende Geschäftsbericht mit integrierten Nachhaltigkeitsinformationen bezieht sich auf die Geschäftstätigkeiten der ASFINAG in Österreich im Jahr 2015 (vorhergehender Bericht: 2014). Er entspricht der G-4-Kernleitlinie der „Global Reporting Initiative (GRI)“, dem weltweit führenden Standard für Nachhaltigkeitsberichte. Details – insbesondere den GRI-Index, Strategien und Managementansätze, beispielhafte Projekte sowie ergänzende Daten und Fakten – finden Sie auf asfinag.at. Als direkter Ansprechpartner steht Ihnen der Nachhaltigkeitsbeauftragte der ASFINAG, DI Thomas Steiner, zur Verfügung: Thomas.Steiner@asfinag.at bzw. +43 (0) 50108-0.

ASFINAG Info-Box

 „Unser Nachhaltigkeitsbericht soll nicht nach der Häufigkeit der Verwendung des Begriffes ‚nachhaltig‘ beurteilt werden, sondern er soll vielmehr unser Engagement in diesem Bereich widerspiegeln.“

DI Thomas Steiner

Nachhaltigkeitsbeauftragter ASFINAG Holding

DI Thomas Steiner